𝗞𝗮𝗽𝗶𝘁𝗮𝗹𝗯𝗲𝘇𝘂𝗴 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗞𝗿𝗶𝘁𝗶𝗸 – 𝘄𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗵ö𝗵𝗲𝗿𝗲 𝗦𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿𝗻 𝘂𝗻𝘀𝗲𝗿𝗲 𝗩𝗼𝗿𝘀𝗼𝗿𝗴𝗲 𝘀𝗰𝗵𝘄ä𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗸ö𝗻𝗻𝘁𝗲𝗻
Die Diskussion um die Besteuerung des Kapitalbezugs in der 2. Säule ist neu entfacht. Doch was bedeutet eine Steuererhöhung für die Schweizer Vorsorge und für die Gesellschaft? Prof. Dr. Hato Schmeiser, Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft (I.VW) an der Universität St. Gallen, gibt im Interview klare Antworten.

𝗪𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲 𝗔𝗿𝗴𝘂𝗺𝗲𝗻𝘁𝗲 𝘀𝗽𝗿𝗲𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗴𝗲𝗴𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗘𝗿𝗵ö𝗵𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗲𝗿 𝗕𝗲𝘀𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗲𝘀 𝗞𝗮𝗽𝗶𝘁𝗮𝗹𝗯𝗲𝘇𝘂𝗴𝘀 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝟮. 𝗦ä𝘂𝗹𝗲?
Eine höhere Besteuerung senkt die Attraktivität zusätzliche Beitrag zu leisten und schwächt damit die Altersvorsorge in der Schweiz. Dies kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass mehr Menschen Ergänzungsleistungen benötigen – also mehr öffentliche Kosten verursachen. Das häufige Argument, Kapitalbezug führe zu mehr Ergänzungsleistungen, ist empirisch nicht belegt. Zudem wird Kapitalbezug oft zur Ablösung von Hypotheken auf selbstgenutztes Wohneigentum verwendet, was Mietkosten spart und somit einem, sogar inflationsgeschützten, Rentenanspruch entspricht. Kapitalbezug ist auch vererbbar, was helfen kann, Ergänzungsleistungen für Nachkommen zu vermeiden.

𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝘀𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗚𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵𝗯𝗲𝗵𝗮𝗻𝗱𝗹𝘂𝗻𝗴 𝘃𝗼𝗻 𝗞𝗮𝗽𝗶𝘁𝗮𝗹- 𝘂𝗻𝗱 𝗥𝗲𝗻𝘁𝗲𝗻𝗯𝗲𝘇𝘂𝗴 𝘀𝗰𝗵𝘄𝗶𝗲𝗿𝗶𝗴?
Die individuelle steuerliche Situation der Sparer ist sehr unterschiedlich. Beim Kapitalbezug wird ein grosser Betrag früh besteuert, aber die daraus angelegten Gelder verursachen später in der Regel Ertrags-, Gewinn- und Vermögenssteuern, die beim Konsum von Rentenzahlungen nicht anfallen. Ein einfacher Vergleich der Steuersätze ist daher unzureichend. Ein fairer Vergleich müsste den gesamten Barwert der Steuerbelastung über die Zeit für beide Varianten für wichtige Bevölkerungsgruppen in der Schweiz berücksichtigen.

𝗪𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲 𝗙𝗼𝗹𝗴𝗲𝗻 𝗵ä𝘁𝘁𝗲 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗵ö𝗵𝗲𝗿𝗲 𝗕𝗲𝘀𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗲𝘀 𝗞𝗮𝗽𝗶𝘁𝗮𝗹𝗯𝗲𝘇𝘂𝗴𝘀 𝗮𝘂𝗳 𝗱𝗶𝗲 𝗚𝗲𝘀𝗲𝗹𝗹𝘀𝗰𝗵𝗮𝗳𝘁?
Der Anreiz, freiwillige Einzahlungen zu leisten, ist reduziert, wodurch die Altersvorsorge insgesamt geschwächt wird. Durch den Wegfall steuerlicher Anreize bei einem weitgehend illiquiden Vorsorgeprodukt steigt das Risiko von Altersarmut und der Abhängigkeit von Ergänzungsleistungen. Die gesellschaftliche Risikostreuung, die sich durch die aktuell ungefähr gleich verteilte Mischung von Kapital- und Rentenbezug ergibt, wäre massiv gefährdet.

Quelle: Karin Bosshard, #klartext by Karin Bosshard (LinkedIn)

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